Startseite arrow Verkehrsunfall Mittwoch, 19. Juni 2024
Verkehrsunfall PDF Drucken E-Mail
Sofern sich ein Verkehrsunfall ereignet hat, sollten die Unfallbeteiligten zunĂ€chst die Polizei verstĂ€ndigen und deren Eintreffen abwarten. Die Polizei ist zur Unfallaufnahme verpflichtet, lehnt dies jedoch erfahrungsgemĂ€ĂŸ oftmals ab, sofern es nicht zu Personenschaden gekommen ist. Dann sollten Sie vor Ort die Personalien austauschen und sich, soweit möglich, vom Unfallgegner den Unfallhergang –soweit unstreitig- bestĂ€tigen lassen. Hierbei sollte der genaue tatsĂ€chliche Geschehensablauf festgehalten werden. Die ausschließliche BestĂ€tigung, lediglich am Unfall „schuld“ zu sein, hat nur geringen Beweiswert, wohingegen die schriftliche BestĂ€tigung eines Geschehensablaufes zu einer Beweislastumkehr fĂŒhrt.

Im Hinblick auf die Regulierung von entstandenen SachschĂ€den sollten Sie als Unfallbeteiligter unbedingt einen Rechtsanwalt beauftragen, der entsprechend qualifiziert und spezialisiert ist. Das ist insbesondere bei einem Fachanwalt fĂŒr Verkehrsrecht gewĂ€hrleistet.
Die Kosten des Rechtsanwaltes trĂ€gt im ĂŒbrigen auch der SchĂ€diger bzw. dessen Haftpflichtversicherer.
Versuche von Haftpflichtversicherern, Sie als GeschĂ€digten von der Einschaltung eines Rechtsanwaltes abzuhalten, sollen Sie sehr kritisch gegenĂŒber stehen.
Teilweise versuchen Versicherer, ĂŒber den Begriff „schnelles Schadensmanagement“ die Regulierung Ihrer SchĂ€den selbst in die Hand zu nehmen. Das dies nicht aus NĂ€chstenliebe erfolgt, sondern ausschließlich aus GrĂŒnden der RentabilitĂ€t fĂŒr den Versicherer, bedarf keiner besonderen Erörterung.
Im Rahmen der Unfallregulierung ist es gerade in letzter Zeit zu einer Vielzahl von VerÀnderungen durch die obergerichtliche Rechtsprechung gekommen.

Selbst wenn die Haftungsfrage eindeutig zu sein scheint, stellen sich im Rahmen der Unfallregulierung eine Vielzahl von Einzelfragen, deren sachgerechte Beantwortung fĂŒr die Wahrung der Interessen des UnfallgeschĂ€digten unabdingbar ist.
Insoweit hat die Rechtsprechung in letzter Zeit bspw. GrundsĂ€tze zur ErstattungsfĂ€higkeit von Mietwagenkosten aufgestellt, nachdem die Versicherungswirtschaft in zunehmendem Maße die Abrechnung nach Unfallersatztarif abgelehnt und auf den Normaltarif verwiesen hatte.
Auch die Frage der Anwendbarkeit der Regel-/Differenzbesteuerung im Falle eines echten/unechten Totalschadens, Reparaturmöglichkeiten bei einem echten Totalschaden innerhalb/oberhalb der sogenannten 130 %-Opfergrenze, 6-monatige Haltefrist, Teilreparatur, Höhe des Nutzungsausfalls (z.B. auch bei betrieblich genutzten Fahrzeugen), Reparaturkostenersatz bei (teilweiser) Eigenreparatur, Verbringungskosten sowie TeilezuschlÀge, Berechnungsmethoden zum merkantilen Minderwert etc. kann zur Wahrung der Interessen des GeschÀdigten nur ein zu diesen Fragen spezialisierter Rechtsanwalt beantworten.
Sofern es zu unfallbedingten Körperverletzungen gekommen ist, hĂ€ngt die BegrĂŒndetheit der Höhe von SchmerzensgeldansprĂŒchen von verschiedenen Faktoren ab wie Art und Maß der Verletzungen, Zeitraum der stationĂ€ren Behandlung, Art und Maß sowie Dauer der verletzungsbedingten BeeintrĂ€chtigungen, Heilungsverlauf, ggf. dauerhaft geminderte ErwerbsfĂ€higkeit, Regulierungsverhalten des Haftpflichtversicherers etc.
Hier ist zu prĂŒfen, ob ein immaterieller Vorbehalt zu verlangen ist, der etwaige Verschlechterungen in der Zukunft finanziell abzusichern geeignet ist.

Bei unfallbedingten Verletzungen der den Haushalt fĂŒhrenden Personen –wobei sich dies nicht nur auf Hausfrauen bezieht- besteht ein Anspruch auf HaushaltsfĂŒhrungsschaden.
Der HaushaltsfĂŒhrungsschaden stellt den finanziellen Ausgleich dafĂŒr dar, dass die Versorgung der Familie bei körperlichen Verletzungen fĂŒr eine gewisse Zeit ausfĂ€llt, wobei bei Tötung sich der HaushaltsfĂŒhrungsschaden sich als Unterhaltsschaden
der Hinterbliebenen aus eigenem Recht darstellt.


Hier ein Beispiel:
Bei einer Doppelverdienerehe unter Beachtung des Quotenvorrechts ergibt sich bei einem Nettoeinkommen im VerhÀltnis 2:1 folgende Berechnung:

Schaden des Kindes:
Einkommen MutterEUR 1.000,00
abzĂŒglich 1/3 der FixkostenEUR 450,00
Nettoeinkommen nach fixen KostenEUR 550,00
Anteil des Kindes 20 % am Nettoeinkommen
nach fixen KostenEUR 110,00
zzgl. 1/3 des Anteils der Getöteten an den
fixen KostenEUR 150,00
Unterhaltsschaden des KindesEUR 260,00
zzgl. 1/3 HaushaltsfĂŒhrungsschadenEUR 333,00
Gesamtschaden:EUR 593,00
 
Anteil des Witwers 35 % am Nettoeinkommen:
nach fixen KostenEUR 192,50
zzgl. 2/3 des Anteils der Getöteten an den
fixen KostenEUR 300,00
Unterhaltsschaden des EhemannsEUR 492,50
zzgl. 2/3 HaushaltsfĂŒhrungsschadenEUR 667,00
Gesamtschaden:EUR 1.159,50
 
eigenes NettoeinkommenEUR 1.159,50
eigenes NettoeinkommenEUR 2.000,00
abzĂŒglich eigener Anteil an den fixen Kosten- EUR 900,00
verbleiben:EUR 1.100,00
davon 35 % Anteil als ersparter UnterhaltEUR 385,00
Gesamtschaden:EUR 1.159,50
abzĂŒglich ersparter UnterhaltEUR 385,00
Restschaden:EUR 774,50

Bei bspw. unfallbedingtem Tod eines Angehörigen stehen dem Hinterbliebenen UnterhaltsansprĂŒche gegen den SchĂ€diger zu, wobei Ausgangspunkt zur Berechnung die familienrechtliche Verpflichtung des Getöteten zur Unterhaltsleistung ist und sich die Verteilung der UnterhaltsbetrĂ€ge nach der Unterhaltsquote richtet.

Hierzu ein Berechnungsbeispiel unter BerĂŒcksichtigung des Quotenvorrechtes und einem Einkommen im VerhĂ€ltnis 2 : 1:


Schaden des Kindes:
 
Nettoeinkommen des GetötetenEUR 2.000,00
abzĂŒgl. 2/3 der fixen Kosten-EUR 1.200,00
verbleibendes NettoeinkommenEUR 800,00
Anteil des Kindes 20 %EUR 160,00
zzgl. 1/3 des Anteils des Getöteten an den
fixen KostenEUR 400,00
Schaden des Kindes (mtl.)EUR 560,00
 
 
Schaden der Witwe:
 
Nettoeinkommen des GetötetenEUR 2.000,00
abzĂŒgl. 2/3 der fixen Kosten-EUR 1.200,00
verbleibendes NettoeinkommenEUR 800,00
Anteil der Witwe 35 % hiervonEUR 280,00
zzgl. 2/3 des Anteils des Getöteten an den
fixen KostenEUR 800,00
Summe:EUR 1.080,00
 
abzuziehen ist der ersparte Unterhalt gegenĂŒber dem Ehemann:
 
eigenes EinkommenEUR 1.000,00
abzĂŒgl. eigener Anteil an den fixen Kosten-EUR 600,00
verbleibenEUR 400,00
davon 35 % als ersparter UnterhaltEUR 140,00
 
Schaden:
Anteil am Nettoeinkommen und
fixen KostenEUR 1.080,00
abzĂŒgl. ersparter UnterhaltEUR 140,00
Schaden der WitweEUR 940,00


Beispiel: ¼ Mithaftung = EUR 240,00
verbleibender monatlicher Anspruch EUR 700,00


Die Rechtsprechung gestattet es der Witwe, den Mitverschuldensanteil von EUR 240,00 zunĂ€chst mit dem eigen ersparten Unterhalt zu verrechnen, was im Beispielsfalle zur Folge hat, dass der Anspruch nur um EUR 100,- gekĂŒrzt wĂŒrde.


Aus vorstehend dargestellten Beispielen ergibt sich, dass auch die Geltendmachung im Rahmen der Unfallregulierung scheinbar nicht im Vordergrund stehender Fragen lohnt und nur die sachgerechte Bearbeitung zum interessengerechten Ergebnis fĂŒhrt.
 
© Rechtsanwalt Gotthardt